Lemberger oder Blaufränkisch? Auf jeden Fall eine der „großen“ Rebsorten der Welt!

Lemberger oder Blaufränkisch wird neben Rebsorten wie Pinot Noir/Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, Merlot oder Sangiovese international gerne übersehen. Doch im Dezember 2022 wurde beim Blaufränkisch Summit in Lerch am Arlberg die Rebsorte mit Recht in den Olymp der Rebsorten gehoben. Der Anbau der Rebsorte ist geografisch eingeschränkt, jedoch seit geraumer Zeit mit leicht steigender Tendenz. Was macht Lemberger Rotwein so besonders?
Woher kommt Lemberger?
Lemberger bzw. Blaufränkisch, selten auch als Blauer Limberger bekannt, wird bewusst in den südlicheren Regionen angebaut, da die Rebsorte hohe Ansprüche an sein Terroir hat und warmes Klima, eine windgeschützte Lage und tiefgründige Böden bevorzugt.
Lemberger ist Rotwein, der bereits seit dem 19. Jahrhundert im deutschen Weinanbaugebiet Württemberg angebaut wird. Heute stehen dort etwa 1.800 Hektar Lemberger-Rebfläche. Noch bekannter ist die Rebsorte aber unter seinem Synonym, dem Namen Blaufränkisch mit österreichischer Herkunft, wo er bereits im 18. Jahrhundert nachweislich angebaut wurde. Besonders das Burgenland ist bekannt für seine hochwertigen Blaufränkisch Rotweine, aber auch im Carnuntum und am Neusiedlersee spielt er eine große Rolle. Der Ursprung der Rebsorte wird dennoch weder in Deutschland noch Österreich vermutet, sondern im heutigen Slowenien, am unteren Donaulauf nahe der Steiermark. Auch in Ungarn wird die Rebsorte heute angebaut, dort unter dem Namen Kékfrankos.
Der Name Lemberger ist nach der vermeintlichen Herkunft der Rebsorte, der Stadt Lemberg, benannt, bei der Bezeichnung Blaufränkisch gehen die Versionen auseinander. Bis heute halten sich die Erzählungen, dass Karl der Große vom Stamm der Franken den Rotwein aus den blauen Trauben sehr zu schätzen wusste und den Anbau der Rebsorte förderte, was den Namen Blaufränkisch ins Leben ruf. Anderen Sagen zufolge kann der Name auf die Zeit der napoleonischen Besatzung zurückgeführt werden, wo der Kékfrankos, der „Blaue Franc“, als bevorzugtes Handelsgut der Franzosen galt. Welche dieser Geschichten wahr ist oder ob überhaupt, lässt sich nicht abschließend klären. Blaufränkisch bzw. Lemberger gehört trotz allem zu einer der ältesten kultivierten und hochwertigsten Rebsorten der Welt.
Wie schmeckt Lemberger?
Sorgfältig an- und ausgebaut kann Lemberger Spitzenqualität erreichen, aber auch als einfacherer Alltagswein bringt er Trinkfreude. Charakteristisch ist die intensive kirschrote bis schwarzrote Farbe mit bläulichen Reflexen und eine fruchtige Aromatik nach reifen Kirschen, Pflaumen, Johannisbeeren, Himbeeren und schwarzen Beeren sowie Feinwürzigkeit. Am Gaumen zeigt sich der Rotwein je nach Ausbau mehr auf der fruchtbetonten Seite oder mit ausgeprägter Tanninstruktur und kraftvollem Mundgefühl. Daher kann Lemberger sowohl als klassischer Solist oder als Speisebegleiter gewählt werden.
Die meisten Lemberger und Blaufränkisch sind trocken ausgebaut, durch den fruchtigen Charakter wirken die Rotweine harmonisch und begeistern mit saftiger Struktur und schönem Trinkfluss. Durch die natürlich ausgeprägte Säure und die kraftvolle Tanninstruktur sind Lemberger Rotweine besonders für ihr hervorragendes Reifepotential bekannt.
Zu welchen Essen passt Lemberger?
Durch die würzige Aromatik eines Lemberger lässt sich dieser Rotwein sehr gut zu herzhaften Speisen servieren. Besonders geeignet sind dabei würzige, mittelkräftige Käse, sowie Grillfleisch oder Wildgerichte. Je nach Würzung kann eine Gemüsepfanne ein ebenso perfektes Pairing sein sowie Pilze, die durch ihre erdigen Noten mit der ausgeprägten Frucht des Lembergers hervorragend harmonieren. Ein Lemberger Wein ist ein wahrer Allrounder und großartige Essensbegleitung.
Fazit
Lemberger oder Blaufränkisch ist eine rote Edelrebsorte, die eine große Vielfalt bei hoher Qualität bieten kann. Typisch ist vor allem die intensive, saftige Frucht und eine ausgeprägte, aber harmonische Tanninstruktur. Egal, ob solo oder zum Essen, Lemberger ist eine faszinierende Rebsorte, die zu Unrecht oftmals übersehen wird.